Quarterlife Crisis – Dilemma der Identitätskrise

Darf ich vorstellen, das ist Paul. Er ist 27 Jahre alt, hat studiert und schon die ersten Jahre Berufserfahrung in einer Unternehmensberatung gesammelt. Doch seit einiger Zeit geht er nicht mehr gerne zur Arbeit, er sieht einfach keinen Sinn mehr in seiner Tätigkeit, ihn stresst das ständidge Reisen und seine Kollegen, vor allem sein selbstgefälliger Chef nerven ihn. Er will schon lange etwas verändern, doch er weiß beim besten Willen nicht, was er machen soll. Seit ein paar Wochen belastet ihn die Situation so schwer, dass er immer übellauniger wird. Er geht spät ins Bett, kommt morgens nicht heraus und quält sich dann durch den Tag. Er fiebert jedem Wochenender entgegen, doch auch seine Freizeit ist nicht mehr das, was sie einmal war. Seine Freunde beschweren sich auch alle über ihre Jbs, doch auch sie haben keine Ahnung was sie machen sollen und so machen sie einfach weiter. Irgendwie nerven sie Paul in letzter Zeit immer mehr.

Als sein Vater merkt, dass Paul sich immer weiter zurückzieht und frustrierter wird, spricht er mit ihm.

Der Ratschlag des Vaters

Sein Vater sagt ihm, dass solche Phasen ganz normal sind. Das Leben ist eben nicht immer leicht und es wird immer harte zeiten geben. Für diese Zeiten benötigt man Disziplin. Paul soll die Zähne zusammenbeißen und da durch. Es wird schon wieder besser werden, spät. wenn er durch seine gute Leistungen befördert wird oder einen besseren Job bei einer anderen Firma bekommt.

Der Vater meint es gut, ganz klar. Und auf der einen Seite hat er ja auch Recht. Schwierige Zeiten gehören zum Leben dazu. Studien zeigen, dass sich Disziplin sehr positiv auf unser Selbstbild auswirkt: Unser Selbstwertgefühl und unser Selbstvertrauen wächst wenn wir es regelmäßig schaffen die Dinge zu tun, auf die wir eigentlich keine Lust haben, die uns aber einen langfristig voranbringen.

Was der Vater jedoch nicht versteht, ist dass Paul sehr unsicher ist, ob dieser Weg ihn wirklich voranbringt. Und falls ja, wo bringt er ihn hin? Und will er dort überhaupt hin? Außerdem kann es bei der Lebensweise des Vaters natürlich auch leicht passieren, dass man sich zur Marionette anderer macht: Plötzlich bekommt man immer mehr Arbeit und mehr Stress mit der Begründung: “Ja was denkst du denn? Dass es leichter wird? Ha, wenn du mehr im Leben willst wird es auch immer härter! Zähne zusammenbeißen und durch!” Dies kann leicht zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Paul spürt dies und wendet sich daher an seinen alten Kumpel Kai. Sie haben sich vor einiger Zeit aus den Augen verloren, da Kai irgendwann einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat. Er wollte nie Karriere machen, sondern war immer auf der Suche nach “seinem eigenen Ding.” Auf Facebook liest Paul, dass er gerade von einer Weltreise zurückgekehrt ist und sie verabreden sich auf ein Bier.

Der Ratschlag des Weltenbummlers

Kai sagt ihm, dass er im Jahr 2019 überhaupt nichts mehr machen müsse, das ihm nicht gefällt: “Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten Geld zu verdienen, wie noch niemals zuvor. Keiner benötigt mehr große Konzerne, die so freundlich sind und dir einen Job geben. Mit der Technik und dem Internet kannst du heute Millionen von Menschen erreichen, einfach so. Du musst nur wissen, was du ihnen anbieten möchtest, das ist alles.”

Am Ende des Abends ist Paul auf der einen Seite inspiriert, da das Leben und die Ansichten von Kai so anders sind als die seiner anderen Freunde und Kollegen. Und doch ist er skeptisch. Kann es wirklich so einfach sein? Was auf jeden Fall wahr ist, ist dass es Mamas gibt, die mit ihrem Bastel-Youtube-Kanal einen 6-stelligen Dollar-Betrag im Jahr verdienen. Kai hat also nicht ganz unrecht.

Das Problem ist nur, dass Kai das Gefühl vermittelt, man müsse nur das eine Richtige finden und dann wird das Leben eine einzige Spaßveranstaltung, ohne Probleme und Herausforderungen. Das ist schlichtweg unsinnig! Und hierbei geht es gar nicht um die prinzipielle Umsetzbarkeit. Vielmehr geht es um das, was Hirnforscher schon lange wissen: Das, was uns wirklich erfüllt und glücklich macht, quasi das, worauf unser Gehirn ausgelegt ist, ist das Lernen, das Wachsen, das Weiterentwickeln. Und wir alle wissen, dass dieser Prozess mit Aufwand, Arbeit, Unsicherheit, Hinfallen und Aufstehen verbunden ist. Das ist das Leben, dadurch fühlen wir uns lebendig! Dass unser größtest Ziel sein sollte, den ganzen Tag auf einer Yacht durch die Welt zu schippern und Champagner zu trinken und dass dies dann ein perfektes Leben ohne Sorgen ist, das haben wir uns einreden lassen.

Das Überwinden der Quarterlife Crisis – der erste Schritt

Paul ist also immer noch nicht weiter.

Soll er nun die Zähne zusammenbeißen und auf seinem Weg bleiben wie sein Vater?

Oder soll er einen völlig neuen Weg einschlagen und sein eigenes Geld verdienen wie Kai?

Befindet sich Paul in einem kleinen Down, durch das er durch muss?

Oder sind es ernstzunehmende Anzeichen, dass er sich auf dem falschen Weg befindet und er schnellstmöglich wechseln muss, da er sonst die Chance verspielt, sein wirkliches Leben zu leben?

Da wir mit den beiden Ratgebern so nicht weiterkommen, hier ein Vorschlag:

Nehmen wir doch das, was bei beiden Vorschlägen wichtig ist, den kleinsten gemeinsamen Nenner sozusagen:

Man kann nur dauerhaft Disziplin aufbringen, wenn man weiß, wofür. Man benötigt ein Ziel, sein ganz persönliches Warum, um sich irgendwo durchbeißen zu können.

Und wenn man eine der Millionen anderen Möglichkeiten wählen soll, die wir heute haben, muss man sich auch erst einmal fragen, welches Ziel man damit eigentlich verfolgt.

Es läuft also am Ende wieder auf das heraus, was Paul eigentlich schon lange weiß, aber wie die allermeisten von uns immer wieder vor sich hergeschoben hat:

Paul muss sich erst einmal selbst besser kennenlernen. Am besten geht das mit den folgenden Fragen:

  • WAS zum Teufel will ich eigentlich?
  • Welche Dinge will ich haben? Aber noch wichtiger:
  • Welche Erfahrungen will ich machen?
  • Wie möchte ich mich fühlen? Oder auf den Punkt gebracht:
  • Was für ein Mensch wäre ich gerne?

Paul realisiert, dass dies der einzige, sinnvolle Weg ist, um seine aktuelle Situation richtig angehen zu können. Und wenn du mal ein wenig darüber nachdenkst, merkst du, wie genial und wie wahr dieser Gedankengang eigentlich ist. Denn auch ich kann dir nicht sagen, was du tun sollst, niemand kann das! Jeder kann dir immer nur Tipps aus seiner eigenen Welt geben. Diese können auf dich passen, in der Regel passen sie aber nur zum Teil. Am Ende kannst nur du eine sinnvolle Entscheidung treffen. Und du wirst für alle deine Entscheidungen immer verantwortlich sein. Und das ist auch gut so! Das ist deine Freiheit. Das ist die Freiheit, die wir Menschen als einzige Lebewesen haben. Also lass uns anfangen, sie ein wenig auszuprobieren und sie für uns zu nutzen.

Im folgenden Artikel zeige ich dir (demnächst), was ich konkret damit meine.