Ben_Korbach_ueber_mich

Vom Banker zum Digitalen Nomaden

EINE WAHRE GESCHICHTE

01. DEZEMBER 2015, STUTTGART

Hallo Test

Ich trete in das schwach beleuchtete Schlafzimmer, im Bett bewegt sich meine Freundin und schaut mich an. Die wohlige Wärme des Zimmers kann nicht über die angespannte Atmosphäre hinwegtäuschen, das dämmrige Licht verbirgt nicht das Glänzen in ihren Augen.

„Ich bin fertig.“ sage ich unbeholfen. Sie steht auf, kommt auf mich zu und nimmt mich fest in den Arm. Als sie sich wieder löst und mir ins Gesicht schaut, fließen die Tränen nun deutlich beide Wangen herunter. „Vergiss mich nicht.“ Sagt sie nur und der Klos in meinem Hals wird sofort noch größer. Ich drücke sie so fest an mich, wie ich nur kann. „Wie könnte ich nur?“ frage ich leise mit kehliger Stimme.

Verdammt, ich hätte nie gedacht dass es so schmerzhaft sein kann, seinem Herzen zu folgen.

Doch fangen wir vorne an.

Hi, mein Name ist Ben und ich möchte euch meine Geschichte erzählen. Viel Spaß beim Eintauchen!

Irgendein Wochentag im Januar 2015

Der Wecker klingelt zum sechsten oder siebten mal. Vorsichtig schaue ich auf die Uhr und realisiere: Wenn ich jetzt nicht aufstehe, komme ich zu spät. Also quäle ich mich aus dem Bett und in das kalte Badezimmer. Die Dusche hilft nur wenig, meine Müdigkeit zu vertreiben. Und das warme Wasser vermag es wieder einmal nicht, meine Gedanken verstummen zu lassen: „Was mache ich hier eigentlich? Ich habe so keine Lust. Am liebsten würde ich mich wieder hinlegen, mir die Decke über den Kopf ziehen und erst am Wochenende wieder aufstehen. Mmh, ob das wohl ginge?“ Mit großer Anstrengung reiße ich mich von meinen Gedanken los und verfolge weiter meine traurige Morgenroutine: Zähneputzen, Hemd und Anzug anziehen, auf die Bahn rennen, zu meinem Arbeitsplatz in einer größeren deutschen Bank fahren. Und ich fühle mich elend.

Szenenwechsel

Nach einem weiteren belanglosen Tag sitze ich wieder in der S-Bahn, diesmal jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Ich schaue durch Regenschlieren aus dem Fenster hinaus, beobachte, wie der ungemütliche, kalte Abend an mir vorbeizieht. Obwohl ich nicht das Gefühl habe, heute etwas Sinnvolles geschafft zu haben, fühle ich mich ausgelaugt. Und meine Gedanken laufen wieder auf Hochtouren: „Was ist nur los? Was stimmt nicht mit mir? Ich habe doch all das, was sich andere wünschen: Einen sicheren, gut bezahlten und nicht allzu stressigen Job, 14 Gehälter und 30 Tage Urlaub im Jahr, Respekt von Chef und Kollegen, eine liebevolle Familie, verrückte Freunde, Freiheit und Gesundheit. Warum fühle ich mich dann so leer? So frustriert und gelangweilt?“

Plötzlich ertönt irgendwo in mir eine leise Stimme, so schüchtern und leise, dass ich sie leider nicht bewusst greifen kann: „Weil du hier nicht hergehörst.“ flüstert sie. Doch wie ein Traum nach dem Aufwachen entgleitet mir diese Erkenntnis, als ich sie zu begreifen versuche. Alles was bleibt ist das Gefühl, dass hier irgendetwas völlig falsch läuft. Und morgen beginnt das alles wieder von vorne. Bestürzt stelle ich fest, dass dieser ewige Kreislauf von Belanglosigkeiten am besten mit zwei Worten beschrieben werden kann: Mein Leben.

Irgendein Wochentag im Februar 2015

Ich sitze wieder einmal morgens in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, müde, uninspiriert und leer. Draußen ist es dunkel und kalt. Um mich herum lauter Menschen, die missmutig in ihre Handys starren. Ich lausche meinem ganz eigenen Gespräch im Kopf:

„Ich muss hier raus!“

„Ja aber das geht halt nicht.“

„So kann es aber auch nicht weitergehen!“

„Stell dich nicht so an, was ist eigentlich dein Problem?“

„Ich bin unglücklich, das ist mein Problem!“

Ja genau, meine Unzufriedenheit hat ein neues, beinahe schizophrenes Level erreicht. Grund dafür: Seit einiger Zeit zieht mich eine Idee magisch an: Ich lasse mich beurlauben und reise alleine um die Welt. Einfach einmal raus und genug Abstand gewinnen, um in aller Ruhe mein Leben neu zu ordnen.

Und auch wenn ein Teil in mir die Idee genial findet, ein anderer Teil ist unfassbar ängstlich. Genau diese beiden Teile sind es, die sich seit einigen Tagen eine lebhafte Diskussion in meinem Kopf liefern. So auch wieder heute früh:

„Wie geil es wäre, einfach am Strand zu liegen und mein weiteres Leben zu planen!”

„Ja geil schon, aber wie soll ich das bezahlen? Wie oft denn noch: Ich verdiene dann kein Geld mehr!!!“

Doch dieser morgen soll anders werden. Genau genommen stehe ich kurz davor, mein Leben für immer zu verändern, auch wenn ich es noch nicht weiß. Diese Debatte in meinem eigenen Kopf hat mich schon so viel Energie gekostet, dass ich einfach genug habe. Ich bin genervt von mir selbst! Außerdem möchte ich keiner von den mies gelaunten Menschen mehr sein, die um mich herum sitzen. Daher beschließe ich, mich zu entscheiden:

Entweder ein klares JA – Ich gehe auf dieses Abenteuer und gebe alles dafür, dass dieser Traum Realität wird.

Oder ein klares NEIN – Ich entscheide mich dagegen und höre auch verdammt nochmal damit auf, ständig darüber zu grübeln.

Und ich meine es wirklich ernst: Ich gebe mir maximal 48h für diese Entscheidung und halte die Bedingungen sogar schriftlich fest: Ein kleiner aber absolut ernst gemeinter Vertrag mit mir selbst. Ich schaue von dem Dokument auf, hinaus in die dunkle Welt. Die weißen und roten Lichter des Berufsverkehrs ziehen an mir vorbei und auf einmal realisiere ich mit einer ungeheuren Gewissheit: Wenn ich das jetzt nicht tue, werde ich es mein Leben lang bereuen!

Was für eine klare und mächtige Erkenntnis. Ich spüre augenblicklich, wie sich etwas in mir verändert. Die Energie, die ich bisher in der inneren Diskussion verbraucht habe, ordnet sich neu. Sie ist nun nicht mehr gegeneinander gerichtet sondern zielt gleich einem Laserstrahl in genau eine Richtung: Ich werde die Welt bereisen! Eine belebende Vorfreude breitet sich aus und wärmt meinen ganzen Körper von innen. Die S-Bahn hält und ich steige als ein anderer Mensch aus: Ein Mensch mit einer klaren, festen Absicht und einem Lächeln auf den Lippen. Ich fühle mich großartig, beschwingt und voller Tatendrang. Noch heute werde ich mit meinem Chef sprechen um ihm meinen Plan zu erläutern. Ich stelle erstaunt fest, dass meine Absicht sogar so stark ist, dass ich meinen Job auch kündigen würde, sollte er nein sagen.

“Faszinierend” denke ich, “was sich innerhalb von 25 bewussten Minuten doch alles ändern kann.”

01. Dezember 2015, 4:15 Uhr morgens

Ich stehe unter der heißen Dusche und schwelge in Erinnerungen:

Kurz nachdem ich im März 2015 endgültig das grüne Licht von meinem Chef erhalten habe, war ich beinahe betrunken vor Freude. In dieser Stimmung, wie könnte es auch anders sein, habe ich eine Frau kennengelernt: Malina! Sie kam gerade von Bali zurück und fand meine Idee, alleine die Welt zu bereisen, genauso faszinierend wie ich. Es hat auf Anhieb gefunkt und wir haben uns den ganzen Abend über das Reisen, fremde Kulturen und das Leben an sich unterhalten. Auch wenn ich zugegebenermaßen nicht immer ganz aufmerksam war. Leicht abgelenkt stellte ich mir bereits an diesem Abend vor, wie wohl ihre langen blonden Haare riechen mögen, wenn ich mein Gesicht darin vergrabe. Und wie wohl ihre vollen roten Lippen nach einem gemeinsamen Frühstück schmecken mögen. Bereits zwei Tage später haben wir uns wieder gesehen. Kurz darauf waren wir ein Paar.

Es ist schon seltsam: Da suche ich Jahre nach dem einen besonderen Menschen. Und am Ende finde ich ihn genau dann, als ich mich entschließe, fortzugehen. Vielleicht ist es ja eine Art Prüfung, denke ich mir, als ich die Dusche abdrehe.

Während ich mich abtrockne und anziehe merke ich, wie zwei Emotionen in mir kämpfen: Da ist zum einen die Aufregung. Immerhin geht in ca. 4 h der Flieger zu meinem ersten Stopp: Hanoi in Vietnam. Aber zum anderen ist da auch ein riesengroßer Klos in meinem Hals. Ich verlasse das Badezimmer und trete in das schwach beleuchtete Schlafzimmer, im Bett bewegt sich Malina und schaut mich an. Die wohlige Wärme des Zimmers kann nicht über die angespannte Atmosphäre hinwegtäuschen, das dämmrige Licht verbirgt nicht das Glänzen in ihren Augen.

„Ich bin fertig.“ sage ich unbeholfen. Sie steht auf, kommt auf mich zu und nimmt mich fest in den Arm. Als sie sich wieder löst und mir ins Gesicht schaut, fließen die Tränen nun deutlich beide Wangen herunter. „Vergiss mich nicht.“ Sagt sie nur und der Klos in meinem Hals wird sofort noch größer. Ich drücke sie so fest an mich, wie ich nur kann. „Wie könnte ich nur?“ frage ich leise mit kehliger Stimme. Verdammt, ich hätte nie gedacht dass es so schmerzhaft sein kann, seinem Herzen zu folgen.

Langsam lösen wir uns voneinander und vermeiden es dieses mal, uns in die Augen zu schauen. Es ist alles gesagt. Ich ziehe meine Jacke an und setze den großen Rucksack auf. Ein letztes mal nehme ich sie in den Arm und küsse sie, bevor ich mich umdrehe und aus der Wohnung trete. Die Kühle des Treppenhauses empfängt mich, kühlt meine Emotionen ein wenig ab und begleitet mich auf den ersten Metern meines Weges. Ein Weg, der mich bis ans andere Ende der Welt führen wird. Und vielleicht sogar ein wenig näher zu mir selbst.

Szenenwechsel, wenige Stunden später 

Ich sitze im Flugzeug und kann es noch gar nicht richtig fassen: “Krass, ich habe es wirklich getan und genau jetzt geht es los!” All die Gedanken, Sorgen, Zweifel, Vorbereitungen und Gespräche über das Thema, die meine letzten Monate geprägt haben, sind nun vorbei und sie alle haben mich genau hier her geführt: Auf meinen Weg nach Vietnam. Ich ziehe einen farbigen Umschlag aus meinem Rucksack: „Flugzeug“ prangt in großen Lettern darauf. Voller Erwartungen öffne ich ihn. Malina hat mir einen ganzen Stapel solcher farbiger Umschläge mitgegeben und jeweils das Land darauf geschrieben, in dem ich ihn öffnen darf. Ich lese die ersten Zeilen und bekomme sofort feuchte Augen. Es steht sehr viel darin, doch der Teil, der mich am meisten berührt, lautet wie folgt:

„Mein lieber Schatz, jetzt bist du unterwegs. Ich möchte, dass du eine Sache weißt: Wenn du glücklich bist, bin ich es auch. Auch wenn dies manchmal bedeutet, dass ich traurig bin.“ Was für eine tolle Frau, denke ich mir. Sie lässt mich ziehen und hat nicht einmal versucht, es mir auszureden oder gar mir ein schlechtes Gewissen zu machen. An unzähligen Abenden haben wir darüber gesprochen und sie hat gespürt, wie wichtig mir diese Auszeit ist. Sie stellt mein Glück über ihr eigenes. Und genau das rührt mich zu Tränen. Und gleichzeitig schmerzt es mich, weil ich sie damit traurig mache.

Da sitze ich also, auf dem Weg in mein ersehntes Abenteuer. Ich schaue aus dem Fenster auf weiße, flauschige Wolken, hänge meinen Gedanken nach und bin traurig. Erinnerungen an die morgendlichen S-Bahn-Fahrten kommen hoch. Doch unmittelbar merke ich, dass dies hier trotz allem richtig ist. Ich fühle mich, als ob ich das Steuer meines eigenen Lebens zurück erobert hätte und das fühlt sich einfach gut an.

Fürs erste beschließe ich, nicht weiter darüber nachzudenken. Immerhin stehen mir nun ganze 6 Monate bevor, in denen ich herausfinden kann, was “richtig” ist, was mich eigentlich glücklich macht und wie ich es erreichen kann. Let the adventure begin!

Meinen Reiseblog von damals findest du unter pursuit85.wordpress.com

07. Januar 2016, Busuanga auf den Philippinen

“Wie absolut schön und geil das Leben doch sein kann!” Genau das denke ich mir, als ich in meinem Kajak sitze und den Blick schweifen lasse. Rechts von mir, keine zehn Meter entfernt, erstreckt sich das Ufer in sattem Grün. Links von mir breitet sich das Meer aus, bis es in ca. einem Kilometer Entfernung auf ein ebenso grünes Ufer trifft. Davor liegt ein altes Wasserflugzeug auf der glatten Wasseroberfläche.

Ich lege das Paddel neben mich und beuge mich zur Seite, so dass ich unter mich blicken kann. Das Wasser ist hier nur etwa einen halben Meter tief und so klar, dass ich die Korallen und bunten Fische ganz deutlich beobachten kann. Ich staune. Was für ein perfektes Paradies denke ich bei mir, als ich das Paddel wieder abwechselnd links und rechts ins Wasser tauche.

Die Sonne scheint kräftig auf meinen braun gebrannten Oberkörper, obwohl es erst 10 Uhr morgens ist. Ich paddle langsam vorbei an einem sehr baufällig wirkenden, kleinen Fischerdorf, das teilweise in das Meer hineingebaut ist. Neben den Pfosten, auf denen einige der Häuser ruhen, spielen Kinder völlig ausgelassen und laut schreiend im Wasser. Als sie mich jedoch erblicken, stoppen sie plötzlich und beobachten mich, manche ängstlich und andere fröhlich winkend. Hier kommen nicht sehr oft Touristen vorbei, weshalb mein Anblick sehr fremd für sie sein muss.

“Was für ein Mensch wäre ich wohl geworden, wenn ich hier und nicht in Deutschland geboren worden wäre?”

Diese Frage fasziniert mich und ich beschließe, später ein wenig mehr darüber nachzudenken.

Das Ufer beschreibt eine Kurve und als ich ihm folge, steuere ich direkt auf einen kleinen Anleger zu, der zu einem Restaurant gehört. Kurzerhand beschließe ich, hier anzulegen und einen Blick auf die Karte zu werfen. Ich fühle mich so wohl, eins mit mir und der Welt, die Sonne, die körperliche Betätigung, die Freiheit und das Gefühl, etwas Neues zu entdecken. Das muss es sein, mein persönliches Glücks-Rezept.

Und es wird noch besser: Auf der Karte steht Süßkartoffel-Eis, von dem ich hier schon so viel Gutes gehört habe, das aber bisher leider immer aus war. Seelig sitze ich auf der offenen Terrasse im Schatten, löffele mein violettes Eis und blicke auf das ruhige Meer fünf Meter vor mir.

Links von mir, in der Nähe des kleinen Anlegers, sind gerade drei Filipinos dabei, eine neue Mauer zu bauen. Doch das stört die idyllische Atmosphäre keineswegs, da sie eher entspannt arbeiten. Kein Wunder, denn sie stehen in der prallen Sonne. Ich fühle mich gerade noch ein wenig dankbarer für meinen Schattenplatz und mein kühles Eis, als ein ca. 50 jähriger Europäer mit weißen, kurzen Haaren erscheint. Er gibt den drei Arbeitern Anweisungen auf englisch und setzt sich anschließend an meinen Nachbartisch. Er nippt immer wieder an seiner halbvollen Flasche Bier und schaut skeptisch zu den Dreien hinüber.

Ich spreche ihn auf englisch an und ein nettes Gespräch entwickelt sich. Er ist der Besitzer des Restaurants und sein Lebenskonzept beeindruckt mich von Beginn an. Er verbringt jedes Jahr sechs Monate mit seiner Frau hier auf Busuanga, während er die andere Jahreshälfte in seiner Heimat Dänemark lebt. Fasziniert frage ich ihn aus. Ich möchte genau wissen, wie so etwas funktionieren kann, immerhin kenne ich derartige Konzepte bisher nur in Form von gescheiterten Schicksalen aus diversen Fernsehshows. Wir sprechen eine ganze Weile über das Leben hier, mittlerweile habe ich auch ein kühles Bier in der Hand. Doch eine Frage liegt mir noch auf dem Herzen, die ich unbedingt loswerden will:

„Hier ist es ja echt paradiesisch und wunderschön, aber wird das nicht manchmal langweilig?“

Und ich meine die Frage komplett ernst, denn hier gibt es wirklich nichts außer ein paar Hütten, einem nahen Wasserfall und eben der wunderschönen Natur. In der Nähe sind zwar einige weitere Inseln, aber auf denen sieht es genauso aus.

„Klar wird es langweilig.“ antwortet er unvermittelt. „Daher lebe ich ja die eine Hälfte meiner Zeit in der Zivilisation in Dänemark. Und wenn mich dort die Hektik, die Verpflichtungen und die Bürokratie anfangen zu nerven, komme ich wieder hierher, in mein ruhiges, kleines Paradies. Es geht um die richtige Abwechslung, die richtige Balance. Weißt du, das ganze Leben dreht sich darum, denn sonst wird alles irgendwann langweilig!”

Es ist schon faszinierend: Da muss ich erst ans andere Ende der Welt reisen, damit mir jemand erzählt, was in meinem Leben in der letzten Zeit falsch gelaufen ist. Ich hatte es mir einfach zu gemütlich, zu sicher und dadurch zu langweilig eingerichtet. Dabei ist mir die Abwechslung und das Abenteuer komplett verloren gegangen. Ich resoniere sehr stark mit dieser Erkenntnis und weiß, dass ich genau hier, mitten im Inselparadies, gerade ein wichtiges Puzzleteil gefunden habe.

Sorgfältig packe ich es ein und nehme es mit, als ich mich verabschiede und alleine zu Fuß ins Inselinnere aufmache. Der Besitzer hat mir noch erzählt, dass es hier irgendwo in der Nähe einen wunderschönen Wasserfall geben muss. “Es könnte ziemlich abenteuerlich sein, ihn auf eigene Faust suchen zu gehen.” denke ich mir, als ich mit einem Kribbeln im ganzen Körper losziehe.

23. Februar 2016, Koh Bulon, Thailand

Es ist Dienstag früh und ich werde unsanft vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Im Zimmer ist es stockdunkel, da es kein Fenster hat, welches die morgendlichen Sonnenstrahlen einlassen könnte. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es 7.45 Uhr ist. Ausgezeichnet, ich habe nicht verschlafen und noch genug Zeit, um die 18 Kg Gepäck einzupacken, die im ganzen Zimmer verstreut liegen. Ebenfalls ausgezeichnet: Ich spüre den Alkohol von letzter Nacht nur ein wenig. Natürlich habe ich die neuen Freunde und vor allem die Insel Koh Lipe gebührend lange und feucht fröhlich verabschiedet.

Nach einer kurzen Katzenwäsche schlendere ich eine halbe Stunde später schon voll bepackt über den Strand zu den Speedbooten, welche direkt am Strand liegen. Die Sonne brennt unermüdlich und es ist bereits jetzt, um 8.30 Uhr, nicht nur warm, sondern heiß.

Umso erleichterter bin ich, als ich den Rucksack vom Rücken streifen kann und im Boot Platz nehme. Es wollen wohl nicht sehr viele Leute zu meinem neuen Ziel Koh Bulon, denn das Boot ist nur zu einem Viertel besetzt. Klasse, denn mit weniger Gewicht ist das Boot wahrscheinlich sogar noch schneller. Die drei großen Außenbordmotoren lassen jedenfalls auf eine rasante Fahrt hoffen.

Und genau so ist es dann auch. Jeder Motor wird einzeln angelassen und erst als alle drei gemeinsam schnurren, werden sie langsam ins Wasser gelassen und der Kapitän manövriert das Boot langsam hinaus auf das offene Meer. Ich lasse den Blick noch einmal über die Insel wandern, auf der ich eine so wunderbare Zeit verbracht habe, während mir die Sonne nun im Zusammenspiel mit dem leichten Fahrtwind das Gesicht angenehm wärmt. Kurz kommt mir wieder in den Sinn, wie ein normaler Dienstagmorgen bisher ausgesehen hat. Mit welchen Routinen ich ihn begonnen habe und wie ich mich dabei gefühlt habe. Und mit einem mal spüre ich wieder diese tiefe Dankbarkeit, die sich als eine warme Woge von meinem Herzen ausgehend im ganzen Körper ausbreitet. Ich realisiere, wie glücklich ich mich schätzen kann, jetzt genau hier zu sein und genau dies erleben zu dürfen. Die Tagträumerei wird jäh unterbrochen, als der Kapitän Gas gibt und das Boot deutlich spürbar beschleunigt. Nach kurzer Zeit hat das Boot eine meinen Hoffnungen entsprechende Geschwindigkeit erreicht und der Bug des kleinen Bootes hebt immer wieder ab, nur um danach gleich wieder aufs Wasser zu knallen. Oh jaa, so muss das sein! Da das Boot so leer ist kann ich mich in einer kompletten Sitzreihe breit machen, mich an den Bänken vor mir festhalten und das Spektakel voll genießen.

Nach ein paar ziemlich harten Aufschlägen bekomme ich heraus, dass immer dann, wenn ich ein kaum merkliches Gefühl der Schwerelosigkeit verspüre, es eine gute Idee ist, die Füße in den Boden zu stemmen und so den folgenden Schlag teilweise abzufangen, wenn das Boot wieder auf das Wasser kracht. Ich feiere dieses neue Abenteuer!

Dennoch bin ich nach 45 Min. Durchschütteln froh, als das Boot sich nun viel langsamer auf zwei Holzboote zubewegt, welche vor einer grünen Insel liegen. Die Boote sind zwei Longtail-Boote, neben grünem Curry und Chang Bier so ziemlich das thailändischste, das es gibt.

Ganz langsam nähert sich der Kapitän einem der Boote, bis die Passagiere aus dem Holzboot in mein Speedboat übersetzen können. So werden die Passagiere langsam getauscht und ich versuche an den Gesichtern der Abreisenden zu erkennen, was mich wohl erwartet. Die meisten sehen entspannt und zufrieden aus, ein gutes Zeichen!

Noch besser wird es, als man mir zuwinkt und mich auf das zweite Boot bittet, denn dieses ist bis auf den Fahrer komplett leer. Ich nehme Platz und schaue hinüber zu dem anderen Longtail-Boot, in dem 8 Passagiere eng aufeinander sitzen. Kurz erwische ich mich dabei darüber nachzudenken, warum das so läuft, ob das wohl richtig ist und ob hier nicht etwas falsch läuft. Aber nur ganz kurz. Dann realisiere ich wieder, dass es bisher nie genau so lief, wie ich gedacht habe. Am Ende hat aber trotzdem immer alles geklappt. Also lehne ich mich entspannt zurück und genieße einfach das leicht erhabene Gefühl eines persönlichen Chauffeurs. Ich betrachte die Insel, die ca. 100 Meter vor mir liegt. Sie ist sehr grün und der Urwald muss einen Hügel bewachsen, da sie sich vor mir regelrecht auftürmt. In Form großer, kantiger Steine geht die Insel vor mir ins Meer über, kein Strand, keine Anlegestelle und kein Zeichen von Bewohnern ist zu sehen.

Während ich ausgestreckt darauf warte, dass mein Chauffeur losfährt, scheint mir die Sonne angenehm warm auf die Beine, die ich unter dem kleinen Dach hinaus gestreckt habe. Ich rufe mir noch einmal in den Sinn, was ich über Koh Bulon weiß. Und das ist nicht viel.
Eigentlich habe ich nur eine Person getroffen, die wirklich hier war. Wie war ihr Name? Woher kam sie noch gleich? Diese Informationen sind von dem 15 minütigen Gespräch vor 10 Tagen nicht hängen geblieben. Aber diese Insel, Koh Bulon, die hat sich irgendwo in meinem Verstand eingenistet und mich nicht mehr losgelassen. Klein soll sie sein, etwa so klein, dass man in 15 Minuten von der einen Seite zur anderen laufen kann. Und leer soll sie sein, mit nur wenigen Touristen, Restaurants und keinerlei motorisierten Fahrzeugen. Dafür aber mit viel ursprünglicher Natur, ruhigen Stränden und herzlichen Menschen. Und das ist es eigentlich auch schon. Die Internet-Suche ergab nicht viel mehr, außer natürlich ein paar traumhaften Bildern und der Info, dass man am besten einfach hinfahren und vor Ort nach einem Bett fragen soll.

Und hier bin ich, schaue auf genau diese Insel und bin nur Minuten davon entfernt, an Land zu gehen. Der Kapitän des Longtail-Bootes wirft den Motor an, der tief blubbernd zum Leben erwacht und das Boot langsam in Bewegung setzt. Während ich ganz alleine durch den Sonnenschein geschippert werde, macht sich ein besonderes Gefühl in mir breit. Entspannung, Neugier, Abenteuerlust und eine tiefe innere Ruhe dominieren meine Gefühlswelt. Das muss die Kombination für Glück sein! Es muss so sein, denn ich lächele aus tiefstem Herzen, als hinter der nächsten Klippe ein weißer Strand mit einzelnen Hütten und Menschen auftaucht, auf den wir direkt zufahren.

Genau an diesem Strand betrete ich die Trauminsel. Er liegt in einer kleinen Bucht und ist etwa 400 m lang. Es stehen vereinzelt Tische am Strand, an denen sich ein paar wenige Menschen bei einem verspäteten Frühstück oder verfrühten Cocktail entspannen. Die Tische gehören zu einer kleinen Anlage, dessen schicke Bungalows entlang des ganzen Strandes stehen. An der Rezeption erfahre ich, dass eine Übernachtung 1.000 Baht kostet. Nach kurzer Verhandlung buche ich ganz spontan zwei Nächte für 1.800 Baht, umgerechnet ca. 45 €.

Meinen Bungalow betrete ich nur sehr kurz, um meine Sachen auf das Bett zu werfen und nach weniger als einer Minute stehe ich voller Neugier wieder draußen in der heißen Sonne. Was es hier wohl alles zu entdecken gibt? Ich folge einfach dem ersten kleinen Weg den ich finde und der von der kleinen Bucht ins Inselinnere führen könnte. Es ist nicht viel mehr als ein festgetretener Trampelpfad, der mich an unzähligen grünen Pflanzen und ein paar größeren Bungalows vorbeiführt, bevor er plötzlich an einer Felswand einfach endet. Als ich den Weg wieder zurück laufe kommt mir in den Sinn dass es auch sein könnte, dass ich hier in meiner Bucht von der restlichen Insel abgeschnitten bin und ich hier nur mit dem Boot wieder fort komme. Aber auch dieser Gedanke beunruhigt mich nicht im Geringsten. Falls es so sein sollte, verbringe ich eben die nächsten zwei Tage ebenfalls bei spätem Frühstück und frühen Cocktails am Strand. Es gibt durchaus Schlimmeres!

Auf der anderen Seite der Bucht finde ich dann noch einen weiteren Weg. Wo führt dieser staubige Pfad wohl hin? Da es nur eine Möglichkeit gibt, das herauszufinden, verliere ich keine Zeit und laufe mit einem Kribbeln der Aufregung einfach los. Ich komme an einigen Hütten vorbei, vor denen Einheimische faulenzen oder arbeiten, mich aber immer freundlich grüßen. Während des ca. 10 minütigen Spaziergangs durch den Urwald komme ich nur an einer Handvoll solcher Hütten vorbei. Ein paar davon sind kleine Restaurants und eine besonders kleine ist als “Koh Bulon Police Station” betitelt. Ich bin fasziniert, wie alle diese Behausungen harmonisch in die Natur eingebettet sind, so als gehörten die kleinen Häuschen einfach hier her.

Das Highlight entdecke ich, als ich auf einem kleinen Hügel ankomme. Die Coconut-Bar ist so bunt und detailliert gestaltet, dass ich kurz stehen bleibe und mich mit einem Lächeln auf den Lippen umschaue: Farbenfrohe Bilder an der Wand, bunte Teppiche auf dem Boden, eine selbst gezimmerte und prall gefüllte Bar sowie die obligatorische Gitarre auf einem Stuhl. Alles wirkt so einladend, nur leider ist keine Menschenseele zu sehen. Daher beschließe ich, am Abend hier noch einmal vorbeizuschauen. Kurz hinter dem Hügel werde ich ein weiteres mal für meine Abenteuerlust belohnt. Ein weiterer, viel längerer und sogar noch schönerer Strand liegt vor mir. Die Palmen wiegen sich langsam im Wind und ich bin schon wieder fast ganz alleine an diesem wundervollen Ort.

Mein knurrender Magen erinnert mich daran, dass ich heute noch gar nichts gegessen habe und so steuere ich auf ein Restaurant direkt am Strand zu. Während ich einen extrem leckeren, scharfen Glasnudelsalat esse, beobachte ich das Türkis des Meeres und das Blau des Himmels direkt vor mir. In mir macht sich die Erkenntnis breit, dass ich alles richtig gemacht habe und dieses Inselparadies genau der Ort ist, nach dem ich gesucht habe. Die letzten Tage waren eher voll und laut, dieser Ort ist einsam und ruhig. Der perfekte Ort, um mich ein wenig zu entspannen, die Batterien wieder aufzuladen und wer weiß, vielleicht sogar ein weiteres Puzzleteil zu finden.

01. März 2016, Flughafen Tokyo

Ungeduldig schaue ich zwischen den beiden Ausgängen hin und her. Immer wieder versperren mir Scharen von teils sehr bunt gekleideten Japanern die Sicht. Ich bin aufgeregt. Mein Herz schlägt kräftig gegen meine Brust, meine Hände sind schweißnass. “Was soll ich sagen? Soll ich langsam auf sie zugehen oder doch lieber zurennen? Was mache ich, wenn sie plötzlich ganz reserviert reagiert?” An diesen seltsamen Gedanken erkenne ich, dass auch mein Verstand aufgeregt ist. Denn im Inneren spüre ich das tiefe Wissen, dass mir ein ganz wundervoller Moment bevorsteht.

Vor meiner Abreise kannten wir uns gerade einmal neun Monate. Und nun haben wir uns für ganze drei Monate nicht gesehen. Eine Zeit, die wir jedoch gut genutzt haben, um uns noch besser kennen zu lernen. Wir haben stundenlang über unsere Träume geskyped, unzählige Nachrichten zu unseren Ängsten ausgetauscht. Und da ich ihr immer einige Stunden voraus war, hatte sie oft bereits beim Aufwachen die ein oder andere Sprachnachricht von mir, mit spannenden Erlebnissen, lustigen Anekdoten, oder einfach nur einem “Ich denke an dich und liebe dich, mein Schatz.” Wir haben das gut hinbekommen, sehr gut sogar! Dieser Mensch kennt mich jetzt schon so gut wie kein zweiter und auch über tausende Kilometer Entfernung wurde die tiefe Verbundenheit nicht schwächer, sondern sogar noch stärker.

Nun verstreichen die letzten Sekunden dieser Phase. Ich stehe hinter einer Absperrung am Arrival Gate und warte gespannt, dass meine Malina endlich durch eine der zwei Türen kommt.

Und plötzlich ist sie da. Ihre blonden Haare und der große grüne Rucksack allein lassen sie aus der Masse herausstechen. Hinzu kommt, dass sie größer ist als die meisten Asiaten um sie herum. Ich erblicke sie kurz bevor sie mich sieht. “Wie kann sie nach einem 24h-Trip nur so umwerfend aussehen?” frage ich mich, als sie in meine Richtung schaut und mich erblickt. Ihre wunderschönen blauen Augen glänzen wie am Tag meiner Abreise, doch dieses mal präsentiert sie dazu das breiteste und schönste Lächeln, das ich jemals gesehen habe.

Während mir die Knie weich werden und ein Kribbeln meinen ganzen Körper erfüllt, läuft sie mit schnellen Schritten um die Absperrung herum. Wie in Trance drücke ich mich an anderen Wartenden vorbei und dann ist der Moment gekommen: Wir fallen uns glückselig in die Arme. Sie drückt ihre Lippen auf meine, erst sehr fest, dann ganz zärtlich. Ich könnte schwören, dass sie vor 3 Monaten noch nicht so weich waren, dass ich noch nie irgendetwas so weiches gespürt habe. Ich bin im siebten Himmel, verliebter als jemals zuvor. Alle Gedanken sind verstummt und wir schauen uns einfach nur an, beide mit Tränen in den Augen. “Hallo.” sagt sie kurz und knapp. Ich muss lachen. “Hallo, mein Schatz. Willkommen in Japan.”

Plötzlich bemerken wir einen kleinen, fröhlichen Japaner neben uns stehen. Er hat ein Mikrofon in der Hand, grinst fast genauso wie wir und fragt in gebrochenem Englisch:

“Hello, we are from Japanese television.” Zwei weitere Japaner treten aus der Menge hervor, einer mit einer riesigen Kamera auf der Schulter, der andere mit einer Lampe in der Hand. “This is so beautiful, you look so happy. Can we interview you for Japanese television, please?”

Sehr überrascht und leicht überfordert schauen wir uns an. Dann sage ich an den Reporter gerichtet: “No, thank you. This is our private moment.” Leicht enttäuscht aber ohne Überredungsversuche ziehen die drei weiter.

“Danke dir.” sagt Malina. Ich lächle sie verschmitzt an.

“Aber dir ist hoffentlich klar, dass sie wahrscheinlich schon die ganze Zeit gefilmt haben.”

“Haha, ja das kann echt sein. Keine fünf Minuten im Land und schon TV-Stars. Das ist ein gebührender Start.”

April 2016, Mirissa, Sri Lanka

Ich liege auf dem Rücken im Pool und schaue zum Sternenhimmel empor. Ich höre, wie ganz in der Nähe die Wellen brechen und das gleichmäßige Rauschen des Meeres wird zu einem angenehmen Hintergrundgeräusch. Ich bin einmal mehr mit meinen Gedanken alleine. Die fünf Wochen, die ich mit Malina in Japan und Indonesien verbracht habe, waren wunderschön, doch sie vergingen wie im Flug. Insgesamt dauert meine Reise nun schon über vier Monate und sie neigt sich so langsam dem Ende entgegen. Ich fühle mich so glücklich und lebendig, dass sich eine Frage geradezu aufdrängt: Wie schaffe ich es, dieses Gefühl mit in den deutschen Alltag zu nehmen? Wie schaffe ich es, mein Leben wirklich nachhaltig zu verändern? Denn eines ist mir schon jetzt ganz klar: Ich kann nicht einfach weitermachen, wie zuvor. Aber ich spüre auch, dass es genau so kommen wird, sofern ich nicht aktiv werde. Am allerschlimmsten wäre es für mich, wenn diese Reise einfach nur ein sehr langer Urlaub war und mich der gewohnte Alltag so schnell wieder einwickelt, wie das nach einem drei Wochen-Urlaub oft der Fall ist. Ich spüre, dass diese Gefahr real ist.

“Also”, frage ich mich, “wie kann ich diese Energie, die ich jetzt gerade spüre, nutzen, um dieses Szenario zu verhindern?” Diese Überlegungen bringen mich zu der einen Kern-Frage, vor der ich mich die ganze Zeit gedrückt habe. Nun aber, an diesem Abend, in diesem Pool, fühle ich mich endlich bereit, sie mir zu stellen und ehrlich zu betrachten:

Was will ich eigentlich wirklich?

Ich drehe mich auf den Bauch und schwimme zum Beckenrand. Ich lege meine Arme auf den Rand, mein Kinn auf meine Arme und blicke hinaus aufs dunkle Meer. Über den endlos heranrollenden Wellen zeichnen sich immer mehr Sterne ab. Der Mond beleuchtet den breiten Sandstrand davor mit seinem silbrigen Licht, während vereinzelt Menschen gemütlich vorbeispazieren. Die Antwort kommt unvermittelt irgendwo aus meinem Innern:

Genau das hier will ich! Ich will die Welt bereisen, ich will all die schönen und faszinierenden Orte sehen, die unsere Erde zu bieten hat. Ich will Menschen kennenlernen, fremde Kulturen erleben und über andere Lebenskonzepte staunen. Ich will selbstbestimmt leben und selbst entscheiden, wann ich wo sein will, womit ich meine Zeit verbringe und was ich dabei für Klamotten trage. Ich will frei sein und mein Leben voll auskosten!

Wow, das ist eine inspirierende Antwort, denke ich mir ein wenig überrascht von mir selbst. Doch ich realisiere auch, dass sie schon eine lange Zeit in mir geschlummert hat. Sehr schnell wird mir auch klar, warum diese Erkenntnis nicht schon früher aufgetaucht ist, es liegt an meinem „Sei-doch-vernünftig-Programm“, das die meisten außergewöhnlichen und eben unvernünftigen Gedanken davon abhält, von den Tiefen meines Unterbewusstseins in das helle Licht meines Bewusstseins aufzusteigen. Erst in diesem Moment wird mir so richtig klar, dass ich dieses Programm habe. Es ist quasi wie ein Türsteher, dem dieser eine Gedanke durchgerutscht ist, weshalb er nun umso energischer reagiert:

“Sei doch nicht naiv, wie soll das gehen? Du bist Banker und kannst nicht einfach in der Welt umherreisen. Außerdem musst du Geld verdienen, reisen ist teuer. Nur weil du jetzt ein paar Monate unterwegs warst, heißt das noch lange nicht, dass du darauf dein Leben aufbauen kannst. Außerdem: Ständig nur Urlaub machen, das wollen alle, doch wenn es so einfach wäre, würden es auch alle machen.”

Und so weiter, eine endlose Litanei von Gründen, warum das eine absolute Schnapsidee ist. Sehr interessant ist meine Erkenntnis, dass es genau dieses Programm war, mit dem ich auch schon vor einem Jahr gekämpft habe als es vehement versucht hat, mir diese Auszeit hier auszureden.

Doch mit dem Abstand und der Entspannung der letzten Zeit fällt es mir nun viel leichter, dieses Geplapper zu realisieren, beiseite zu legen und mich wieder der eigentlichen Frage zu widmen. Ich gehe systematisch vor und frage mich:

Okay, selbstbestimmt und auf Dauer die Welt bereisen, geht das ganz prinzipiell? Sprich gab es in der Geschichte der Menschheit schon einmal jemanden, der das gemacht hat? Die Antwort ist ganz klar JA, prinzipiell geht das schon.

Gut, nun ein wenig konkreter: Ist das prinzipiell auch für mich, Benjamin Korbach, möglich? Die Antwort: Verglichen mit so vielen anderen Menschen, die ich auf meiner Reise getroffen habe, habe ich sogar die besten Voraussetzungen: Ich bin jung, gebildet, spreche Englisch, bin gesund und habe einen deutschen Reisepass, der mich in fast jedes Land reisen lässt. Bessere Startbedingungen kann ich mir gar nicht wünschen.

Ich staune! Mal wieder über mich selbst. Denn ganz plötzlich fühlt es sich so richtig an. Eine starke Zuversicht durchströmt meinen ganzen Körper und ich setze eine Absicht, die mein ganzes Leben verändern wird:

Ich werde meinen Job bei der Bank kündigen! Und ich werde mit Malina zusammen einen Weg finden, die Welt zu bereisen!

Was für ein mächtiges Ziel, mein ganzer Körper kribbelt bei dieser Vorstellung. Ich schaue erneut zu den Sternen empor. Der überwältigende Anblick dieser unfassbaren Weite gibt mir ein Gefühl endloser Möglichkeiten und bestärkt mich noch mehr: Ich werde ein Leben nach meinen Vorstellungen führen! Meinen Blick weiterhin in den Nachthimmel gerichtet, genieße ich diesen glückseligen Moment, in dem scheinbar nur die Sterne und ich existieren. Nur wir, ganz alleine in einem Universum, in dem jede mögliche Zukunft nur eine einzige Entscheidung entfernt ist und die nur darauf wartet, ausgewählt zu werden. Ehrfürchtig wird mir bewusst, dass ich soeben gewählt habe und damit auf einen Schlag nicht nur diesen Abend, sondern meine gesamte Zukunft verändert habe. Ich schaue wieder auf den Pool vor mir und spüre ein leichtes Schwindelgefühl im Kopf.

Bevor mich die realisierte Tragweite zu überwältigen droht, verlasse ich den Pool, trockne mich ab und ziehe mir mein T-Shirt über. Doch während ich gemütlich am Strand in Richtung Unterkunft spaziere, lächle ich. Als ich später auf dem Rücken in meinem Bett liege, lächle ich noch immer. Denn ich spüre, wie wichtig diese Erkenntnis war. Damit ist das Fundament gesetzt: Ich habe einen Traum und dieser Traum ist möglich. Es ist vielleicht nicht einfach, aber es ist möglich. Und das ist alles, was zählt: Auf dieser stabilen Basis kann ich aufbauen und nun endlich an einem konkreten Ziel arbeiten, all meine Energie gebündelt in eine konkrete Richtung lenken. Vor allem sobald ich wieder zurück in Deutschland sein werde, wird mir das helfen, meinen Weg weiterhin zu verfolgen. War der Entschluss in der S-Bahn die wichtigste Entscheidung vor der Reise, so ist dieser Abend der wichtigste auf der Reise. Und ich bin glücklich.

Dezember 2018, Ubud, Bali

Ich schrecke auf. Mein Herz schlägt hart in meiner Brust, mein Kopf dröhnt. Orientierungslos schaue ich umher. Wo bin ich? Was war das für ein Geräusch? Erst langsam verarbeitet mein mattes Hirn, was ich sehe. Ich liege in einem großen Himmelbett, neben mir wacht Malina gerade auf. Hat sie es auch gehört? Plötzlich klopft es wieder an der Glastür.

“Hello, Breakfast is ready.”

Mit einem Schlag werde ich wieder komplett ins Hier und Jetzt katapultiert und erinnere mich: Wir haben uns für eine Woche ein schönes Zimmer mit eigenem Garten und Pool mitten in Balis schönster Natur gegönnt. Ein Woge der Zufriedenheit und Vorfreude durchströmt mich. Ich stehe auf, langsam, da ich den Kater nun deutlich spüre und ziehe den schweren Vorhang zur Seite. Der Blick ist atemberaubend. Hinter unserer Terrasse erstreckt sich der üppige, bunte Garten,wartet der blaue Pool und erheben sich die majestätischen Palmen. Doch das, was meine Aufmerksamkeit magisch anzieht, steht auf dem kleinen Tisch: Zwei Pancakes, zwei Früchte-Teller, eine Kanne Kaffee, eine Tasse Tee. Nur von unserem Wohltäter ist nichts mehr zu sehen.

Ich drehe mich zu Malina: “Du wirst es nicht glauben! Sie haben uns einfach Frühstück gemacht.” Keine zwei Minuten später sitzen wir draußen und genießen in vollen Zügen. Dabei lassen wir den Blick über unser persönliches Paradies schweifen.

“Das ist wirklich perfekt!” Sage ich. “Nicht nur, dass unser Bar-Hopping gestern Abend so cool war, wir bekommen auch noch ein perfektes Frühstück zur perfekten Zeit serviert. Und das obwohl wir gar nichts bestellt haben. Solche Überraschungen liebe ich!”

“Stimmt! Und schau dir mal diesen Ausblick an.” Schwärmt Malina. “Es ist einfach perfekt.”

Ich nicke, während ich mir ein großes Stück des wohl besten Banana-Pancakes auf diesem Planeten in den Mund schiebe. Einfach Herrlich!

Nach dem Frühstück belegt Malina die Liege auf unserer Terrasse, während ich mein Handtuch schnappe und dem kleinen Weg durch den Garten folge. Er endet an unserem Pool. Das kühle Wasser hilft nicht nur gegen die heiße Sonne, sondern auch gegen meinen Kater. Ich lasse mich ein wenig treiben und genieße das Leben. Dann schwimme ich an den Rand, lege meine Arme darauf und lasse den Blick schweifen. Direkt vor mir liegt ein buntes Blumenfeld, weiter hinten wiegen sich einige Palmen langsam im Wind. Es ist so schön, dass es fast schon wieder kitschig ist.

Wie oft in solchen Situationen, lasse ich meine Gedanken ganz bewusst schweifen und schaue, wo sie mich hintragen.

Ich fange an zu rechnen: Über 2,5 Jahre sind vergangen, seitdem ich in Sri Lanka im Pool lag. Damals, genau an diesem Abend, habe ich den Grundstein für mein neues Leben gelegt. Ich habe bereits oft zurückgeblickt und eine Sache fasziniert mich immer wieder: An diesem Abend war ich zum allerersten mal wirklich ehrlich zu mir selbst, was meinen Job anbelangt. Diese Erkenntnis finde ich immer wieder erschreckend und heilsam zugleich. Erschreckend, da ich viele Jahre meines Lebens nicht einmal mir selbst gegenüber ehrlich sein konnte. Heilsam, da ich nun weiß, dass die ehrliche Antwort bereits die ganze Zeit in mir war und nur darauf gewartet hat, entdeckt zu werden.

Ich drehe mich auf den Rücken, schaue in den blauen Himmel und lasse mich treiben. Wenn ich mit Abstand über diese Zeit nachdenke, erscheint mir alles so logisch. Ein Ereignis führte zwangsweise zum nächsten und immer weiter. Und so hat die Erkenntnis, dass Wahrheiten in mir verborgen liegen können, mich natürlich motiviert, weiter zu forschen. Es ist also nicht verwunderlich, dass die letzten 2,5 Jahren sehr aufregend waren und sich einiges verändert hat.

Ich arbeite zum Beispiel nicht mehr bei einer Bank. Und ich lebe auch nicht mehr in Deutschland. Eigentlich ist nur eines gleich geblieben: Malina!

Ich schaue hinüber zu unserem kleinen Haus und sehe sie da liegen. Ganz vertieft in ihr Buch und wunderschön. Ja, ich bin unfassbar froh, dass die Frau meiner Träume noch immer an meiner Seite ist und wir gemeinsam dieses Abenteuer erleben dürfen. Ich fühle tiefe Dankbarkeit und muss lächeln. “Ehepaar Korbach” hört sich noch so fremd an, irgendwie so, als ob ich von meinen Eltern sprechen würde. Und genauso fremd hört sich der Lifestyle an, den wir seit zwei Monaten pflegen: “digitale Nomaden”. Aber es ist wahr. Wir haben nicht nur geheiratet, wir haben auch all unsere Sachen verkauft, den Mietvertrag gekündigt und sind mit unseren Laptops bewaffnet losgezogen. Hinaus in die Welt. Auf der Suche danach, was es bedeutet, frei und selbstbestimmt zu leben, nach den eigenen Regeln.

Auch wenn es nicht immer einfach war, so haben unsere inneren Wahrheiten uns genau hierher geführt. Und eines ist uns mittlerweile ganz klar: Es gibt noch so viel mehr zu entdecken. In der Welt, aber vor allem in uns.

Dies ist unsere Reise, wir nennen sie Journey of Joy.

Herzlich willkommen! Und wahnsinnig schön, dass du ein Stück mitreisen möchtest.

Malina und Ben

Erzähle Deine eigene Geschichte

Hast du dich in bestimmten Teilen der Geschichte wiedergefunden? Kennst du vielleicht sogar das Gefühl, dass in dir versteckte Wahrheiten nur darauf warten, entdeckt zu werden? Die gute Nachricht: Du musst nicht erst 11 Jahre bei einer Bank arbeiten und ein halbes Jahr um die Welt reisen, um ehrlich zu dir selbst sein zu können. Als ersten einfachen Schritt kannst du zum Beispiel einfach anfangen, deine bisherige Geschichte zu erzählen. Auch wenn dein Vernunft-Programm nun sagen sollte: “Was soll ich schon erzählen, das interessiert doch niemanden.” weiß ich, dass es mindestens zwei Menschen gibt, auf die das nicht zutrifft. Der erste und wichtigste bist du selbst. Deine eigene Geschichte zu erzählen ist ein erster und einfacher Schritt, näher zu dir selbst und deinen Wahrheiten zu kommen. Und der zweite bin ich. Und dabei bin ich nicht nur an deiner Geschichte interessiert, ich helfe dir auch dabei, sie in Worte zu fassen. Für dich ganz privat, zum Marken-Aufbau für dein Business, oder einfach für die ganze Welt. Melde dich bei mir! Ich freue mich schon darauf, von dir zu hören und mit dir gemeinsam zu erkunden, was so alles in dir steckt!

Dein Ben

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Elf lange Jahre habe ich in einer Bank verbracht, mit Anzug und Krawatte, klaren Hierarchien und festgelegten Prozessen. Das war für viele meiner Kollegen eine ange­nehme Arbeitsumgebung, doch für mich fühlte es sich schon bald sehr einengend an. Dennoch hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich mir dies eingestehen konnte.

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